SPD-Fraktion unterstützt ein neues Kunstwerk für Groß Borstel

Carsten Gerloff, Kulturpolitischer Sprecher
Carsten Gerloff, Kulturpolitischer Sprecher

In Groß Borstel entsteht auf der Westseite der Tarpenbek das Neubaugebiet „Tarpenbeker Ufer“ mit etwa 900 Wohneinheiten und einer öffentlichen Parkanlage, die neben einer Fußwegeverbindung, die das Neubaugebiet über die Tarpenbek mit dem „alten“ Groß Borstel verbindet. Die neue Erschließungsstraße trägt auf Vorschlag der Bezirksversammlung Hamburg-Nord den Namen des 1914 in Groß Borstel geborenen Gert Marcus , der 1933 im Alter von 19 Jahren wegen der jüdischen Abstammung seines Vaters Dr. Paul Marcus die renommierte Lichtwarkschule ,die heutige Heinrich Hertz Schule vorzeitig verlassen hat und nach Schweden, dem Heimatland der Mutter ausgewandert ist. Dort hat er bis zu seinem Tode im Jahre 2008 gewirkt und als autodidaktischer Maler und Bildhauer internationale Anerkennung erworben, ist aber hier in Deutschland wie auch seiner Geburtsstadt Hamburg selbst bei Kunstexperten bisher kaum bekannt.

Kunstwerk: „Centripetal und Centrifugal“
Kunstwerk: „Centripetal und Centrifugal“

Angesichts der großartigen Kunstobjekte von Gert Marcus, die in Schweden, Israel und Italien den öffentlichen Raum schmücken, ist dies ein großer Verlust für seine Geburtsstadt Hamburg. Dieser Verlust soll durch die Namensgebung der Erschließungsstraße sowie die Aufstellung eines seiner Kunstwerke ausgeglichen werden. Nur durch die Präsenz des Kunstwerks kann der Straßenname seine Wirkung entfalten, und weit über das eigentliche Neubaugebiet hinaus das Lebenswerk von Gert Marcus 86 Jahre nach seiner Flucht aus Hamburg angemessen würdigen.

 

In diesem Sinne soll das von der Initiative Marcus und Dahl gemeinsam mit der in Stockholm lebenden Witwe von Gert Marcus, Francoise Ribeyrolles-Marcus, ausgewählte Kunstwerk „Centripetal und Centrifugal“ in dem neuen Park aufgestellt werden. Bisher gibt es dieses Kunstwerk nur als ein kleines Modell, so dass in Groß Borstel dann auch nach dem Tode von Gert Marcus noch ein neues Werk von ihm entstehen kann. Das aus den zwei jeweils 3,5 bis 4 m hohen Skulpturen „Centripetal und Centrifugal“ bestehende Kunstwerk vermittelt anschaulich das Spannungsfeld zwischen schwarz und weiß, gut und schlecht, hell und dunkel und ist charakteristisch für den minimalistischen Kunststil von Gert Marcus.

Jörg W. Lewin, Bezirksabgeordneter
Jörg W. Lewin, Bezirksabgeordneter

Mit der Symbolik von schwarz und weiß, alt und neu, diesseits und jenseits der Tarpenbek, Alt- und Neu-Groß Borstel würde das Kunstwerk für dieses ja lange und intensiv umstrittene Neubaugebiet eine versöhnende Kernidee vermitteln: Gegensatz und gegenseitige Ergänzung.

 

Um dieses Kunstwerk in Groß Borstel zu ermöglichen hat sich die Initiative Marcus und Dahl gegründet, getragenen von Bürgerinnen und Bürgern des Stadtteils.

 

Diese Initiative hat sich als Aufgabe gesetzt, den in den Zeiten des Nationalsozialismus vertriebenen Künstlerinnen und Künstlern ein Gesicht zu geben, und damit auch zu mahnen, dass diese Zeiten sich nie wiederholen dürfen. Die Kosten für die Erstellung, den Ankauf und die Aufstellung des Kunstwerkes betragen ca. 100.000 €, die im großen Maße von der Initiative und gesammelten Spenden getragen werden soll.

 

Dazu Carsten Gerloff, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Wir möchten diese Initiative als Bezirkspolitik unterstützen, und damit auch ein Zeichen gegen den in unserer Stadt und in unserem Land aufkommenden Antisemitismus und das Erstarken des rechten Randes setzen.“

 

Dazu Jörg W. Lewin Wahlkreisabgeordneter für Groß Borstel: „Für Groß Borstel ist diese symbolische Rückkehr der Familien Marcus und Dahl ein großes Glück, denn es symbolisiert auch eine Versöhnung dar zwischen dem Stadtteil, aus dem die Familie in der Nazizeit vor über 80 Jahren vertrieben wurde und der sich jetzt wieder in Groß Borstel willkommenen fühlenden Familienmitglieder“. Lewin beton: „Es ist selten, dass nach so vielen Jahren ein schon zerstört geglaubtes Verhältnis der Familien zu ihrer ursprünglichen Heimat wieder hergestellt werden kann. Wir möchten mit dem neuen Kunstwerk auf ein Zeichen für das weltoffene Groß Borstel setzen.“

 

Die Bezirksversammlung hat in ihrer Sitzung vom 15.11.2018 einstimmig beschlossen 30.000 Euro für die Errichtung des Kunstwerks bereitzustellen. Weitere erforderliche Mittel werden nun von der lokalen Initiative gesammelt.